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REMIT-Meldepflichten — Transaction Reporting an ACER

Was muss gemeldet werden?

Nach Art. 8 REMIT und Durchführungs-VO 1348/2014 sind meldepflichtig: alle Wholesale-Energy-Kontrakte (Strom, Erdgas, LNG) — Spot- und Termingeschäfte, Optionen, Swaps, OTC-Trades, Börsenhandel. Ausgenommen: Endkundenverträge unter Standardgrößen sowie reine intra-konzernale Bilanzkreis-Übertragungen ohne Marktcharakter. Reporting erfolgt in Tabelle 1 (Standardkontrakte, EFET-Schema, z.B. Day-Ahead, Intraday, Termin) und Tabelle 2 (Non-Standard Bilateral OTC, individuelle Vertragsdetails). Fundamentaldaten (Erzeugungskapazitäten, Netzflüsse, Speicherstände) werden separat unter Tabelle 3 gemeldet, primär durch ÜNB und Erzeuger ≥10 MW.

Datenfelder Tabelle 1 — Standardkontrakte

Pflichtfelder umfassen u.a. Reporting Entity LEI, Counterparty LEI, Trade-ID, Marktplatz-ID (MIC), Produkt-ID, Volumen (MW oder MWh), Preis (EUR/MWh), Lieferpunkt EIC-Code, Lieferperiode (Start/Ende ISO 8601), Block-Trade-Flag, Modifizierungs-Indikator. Insgesamt ca. 55 Felder. Tabelle 1 unterscheidet weiter zwischen Sub-Tabelle 1.1 (Execution Reports) und 1.2 (Lifecycle Events wie Modifications, Cancellations, Early Terminations). Currency-Konvention strikt EUR/MWh — Verwechslung mit EUR/MW ist häufiger Findings-Punkt bei BNetzA-Audits.

Datenfelder Tabelle 2 — Non-Standard OTC

Tabelle 2 erfasst nicht-standardisierte bilaterale Verträge (z.B. PPAs, strukturierte Multi-Year-Deals, Optionsketten). Pflichtfelder zusätzlich: Vertragstyp-Kategorie, Optionalitäten (Strike, Cap, Floor), Profilstruktur (Baseload, Peak, Off-Peak, As-Generated), Indexierungs-Formel, Volumenrechte. Reporting komplexer als Tabelle 1 — viele Marktteilnehmer nutzen Standard-Templates ihrer RRMs. ACER veröffentlicht regelmäßig Q&A-Updates zur Auslegung (zuletzt FAQ Version 28, März 2025), die Marktteilnehmer und RRMs konsumieren müssen.

Wer meldet?

Marktteilnehmer melden über einen Registered Reporting Mechanism (RRM) an ACER. Liste der registrierten RRMs auf acer.europa.eu. Typische RRMs: EEX/Trayport, EFETnet, Tigress, OMP, Equias, REGIS-TR, Equiduct. Direkte Meldung an ACER ohne RRM ist nicht möglich. Verantwortung: Marktteilnehmer haftet primär für Vollständigkeit und Richtigkeit, auch wenn der RRM die Übermittlung technisch übernimmt. Vertrag mit RRM regelt SLAs, Haftungsverteilung und Audit-Unterstützung. Wechsel zwischen RRMs ist möglich, jedoch mit Übergabe-Aufwand verbunden (historische Trade-Stammdaten).

RRM-Marktplatzbewertung

Auswahlkriterien für RRM: (1) Kosten — Setup typisch 1.000-15.000 EUR, laufend 200-2.000 EUR/Monat je nach Volumen. (2) Verbindungsoptionen — SFTP-Batch oder REST-API für ETRM-Anbindung. (3) Coverage — unterstützt RRM alle benötigten Produkte und Marktplätze? (4) Audit-Support — Wie reagiert der RRM bei ACER-Anfragen? (5) Reconciliation — Tägliche Abgleich-Reports zwischen ETRM und ACER-Quittierung sollten Standard sein. EEX/Trayport dominiert bei Börsenhändlern, EFETnet bei OTC-Häusern, Equias und Tigress positionieren sich für mittelständische Stromhandelsfirmen.

Inside Information — kursrelevante Insider-Daten

Art. 4 REMIT verpflichtet Marktteilnehmer zur unverzüglichen Veröffentlichung kursrelevanter Insider-Informationen über eine Inside Information Platform (IIP). Pflicht-Tatbestände: Kraftwerksausfälle ab 100 MW Nettoleistung, geplante Wartungen mit Marktauswirkung, ungeplante Netzengpässe, Force-Majeure-Ereignisse, Tagesplanänderungen >5 % der nominierten Leistung. Ausnahmen nur unter strengen Voraussetzungen (geschützte Geschäftsgeheimnisse, Schaden für Marktintegrität durch Veröffentlichung). Eigene IIP-Auswahl: z.B. EEX Transparency Platform, GETBaltic, Nord Pool Information Disclosure. Latenz: typisch ≤30 Minuten ab Eintritt.

Fristen

Tabelle 1 (Standardkontrakte): T+1 (Werktag nach Trade-Execution). Tabelle 2 (Non-Standard, OTC): T+1 für Sub-Tabelle 1.1 (Execution), T+30 für Fundamentaldaten. Stornos und Korrekturen sind unverzüglich nachzumelden — verspätete Lifecycle-Events sind häufiger Audit-Findings-Grund. ACER prüft Vollständigkeit und Konsistenz automatisiert via Validation-Engine; Findings werden als „Reporting Quality Indicators“ (RQI) zurückgemeldet und müssen vom Marktteilnehmer innerhalb 30 Tagen bereinigt werden.

REMIT II — Updates ab 2024/2026

REMIT II (Verordnung 2024/1106) verschärft REMIT I in mehreren Punkten: erweiterte Definition „Wholesale Energy Product“ (LNG-Verträge explizit, Algorithmic Trading), schärfere Pflichten für High-Frequency-Trader, neue Reporting-Pflicht für „Significant Market Participants“ (SMP-Status mit höheren Datenanforderungen), Direct Reporting für bestimmte Großmarktteilnehmer ohne RRM-Pflicht ab 2026. ACER Q&A v28 (März 2025) konkretisiert die Übergangsbestimmungen. Marktteilnehmer mit >100 TWh Jahresumsatz sollten REMIT-II-Implikationen 2026 priorisieren.

Audit-Prozesse BNetzA

Bundesnetzagentur führt sowohl risikobasierte als auch zufällige Audits durch. Typische Audit-Schritte: (1) Erstkontakt mit Datenanforderung (Trade-Volumen, RRM-Vertrag, interne Compliance-Dokumentation). (2) Stichprobe von 20-50 Trades zur Detailprüfung (Mapping ETRM → RRM-Submission → ACER-Quittung). (3) Interview Compliance-Officer und Trader. (4) Bei Findings: Frist zur Nachbesserung (30 Tage) oder Sanktionsverfahren. Häufige Findings: falsche LEI-Zuordnung, fehlende Markierung von Block-Trades, unkorrekte Lieferpunkte (EIC-Codes), Currency-Mismatch (EUR/MWh vs. EUR/MW), fehlende oder verspätete Lifecycle-Events.

Bußgelder und Strafen

BNetzA-Bußgelder bis 1 Mio EUR oder 3-10 % des Jahresumsatzes — je nachdem, welcher Wert höher ist. ACER und nationale Regulierungsbehörden veröffentlichen Sanktionsentscheidungen unter acer.europa.eu/remit/coordination-on-cases. Erster REMIT-Marktmanipulations-Fall: CNMC vs. Iberdrola 2015 mit 25 Mio EUR Bußgeld für Manipulation des spanischen Day-Ahead-Marktes Ende 2013 (Verfahren mit Berufungen 2024 fortgeführt). Weitere Fälle in den letzten Jahren: CNMC-Sanktionen im Gas-Markt (z.B. 1 Mio EUR 2024) und vereinzelte BNetzA-Bußgelder im sechs- bis siebenstelligen Bereich wegen mangelhafter Lifecycle-Event-Reportings. Insiderhandel-Fälle können zusätzlich strafrechtlich verfolgt werden.

Häufige Fragen

Welche Verträge sind nicht REMIT-meldepflichtig?

Endkundenverträge mit Verbrauchsstellen unter 600 GWh/Jahr (für Letztverbraucher) und reine intra-konzernale Bilanzkreis-Übertragungen ohne Marktcharakter. Auch sehr kleine Spot-Geschäfte unter Bagatellgrenze (selten relevant).

Was passiert bei verspäteter Meldung?

Verspätung über 48h gilt als Verstoß. BNetzA spricht meist zunächst Mahnung und Frist zur Nachholung aus, dann Bußgeld. Wiederholungstäter bekommen Sanktionsverfahren mit höheren Bußgeldern.

Brauche ich für jede Handelsplattform einen eigenen RRM?

Nein, ein RRM kann mehrere Handelsquellen aggregieren. Wichtig: vollständige Schnittstellen-Konfiguration zwischen ETRM-System und RRM, plus regelmäßige Reconciliation der ACER-Quittungen.

Was ist der Unterschied zwischen REMIT I und REMIT II?

REMIT II (VO 2024/1106) erweitert REMIT I: explizite LNG-Erfassung, schärfere Algorithmic-Trading-Pflichten, neue SMP-Kategorie für Großmarktteilnehmer, optionale Direct-Reporting-Wege ab 2026. Reporting-Kern bleibt gleich, aber Detailpflichten und Sanktionsrahmen verschärft.

Welche Rolle spielt der LEI-Code im Reporting?

Der Legal Entity Identifier (LEI) ist die zentrale ID, die jeden Marktteilnehmer und jede Gegenpartei in REMIT-Reports identifiziert. Ohne aktive LEI keine REMIT-Konformität. Beantragung über GLEIF-akkreditierte Local Operating Units, jährliche Renewal-Pflicht (200-500 EUR/Jahr je nach LOU).

Was kostet ein RRM jährlich?

Typisch 200-2.000 EUR/Monat plus Setup-Gebühr 1.000-15.000 EUR. Volume-Tiers gängig (z.B. unter 10.000 Trades/Monat zu Pauschalpreis, darüber je-Trade-Preis). Plus interne Kosten für Schnittstellen-Pflege und Reconciliation.

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